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Wandervogel

Bund für Jugendfahrten

Morgenlandfahrer: Bericht

Geschrieben von Fritze am 26.04.2010

Schon die Hinfahrt werden wir nie vergessen. Gleich am ersten Tag, wir haben gerade Ungarn erreicht, bleibt eines der beiden Autos liegen. Ein kleiner Schock. Wir hatten zwar nicht erwartet, dass es beide Autos problemlos bis ans Ziel schaffen, aber der erste Tag war uns dann doch zu früh für eine Panne. Der Schaden war reparierbar und nach zwei Tagen fuhren wir auf Bulgariens und Rumäniens holprigen Straßen weiter in Richtung Türkei.

Istanbul, unser einziges Etappenziel, war schnell erreicht und somit auch der Sprung von Europa nach Asien. Die belebte Stadt faszinierte uns alle und wir nutzten die Zeit sie ein klein wenig kennen zu lernen und um uns einen ersten Einblick in die orientalische Kultur zu verschaffen. Lange hielt es uns nicht in Istanbul. Wir waren viel zu gespannt auf Syrien.

Ich war noch leicht überfordert und einfach glücklich wieder bei meinen Freunden zu sein. Gerade von meiner großen Fahrt aus Südamerika gekommen, hatte ich vier Tage im kalten Deutschland verbracht und dann fuhr ich schon wieder, vielmehr immernoch. Dieses Mal in den vorderen Orient. Eine mir völlig neue Kultur erwartete meine Kameraden und mich.

Syrienfahrer
Geschafft, Fahrer und Autos stehen in Syrien


Endlich in Syrien! Froh und voller Erwartungen fuhren wir in Richtung Aleppo. Weit kamen wir allerdings nicht. Ein Bahnübergang hielt uns auf, indem er die Ölwanne des BMW aufriss. Ratlos standen wir vor dem kaputten Auto, unter dem sich ein Ölfleck wie eine Blutlache ausbreitete. Da kamen auf einmal zwei Syrer auf einem Roller angebraust, sahen sich das Auto an und bedeuteten uns ihnen zu folgen. Der Mercedes erwies sich wieder als zuverlässiger Abschlepper und fünf Minuten später saßen wir schon, jeder mit einem Tässchen Tee in der Hand, im Kreis und versuchten mit unseren Gastgebern zu kommunizieren. Wir erlebten das erste Mal die unglaubliche syrische Gastfreundlichkeit. Unsere neuen Freunde besorgten uns das nötige Ersatzteil, versorgten uns literweise mit Tee und vertrauten uns ihr Haus an, wo wir übernachten konnten. Dann kamen auch noch die Nachbarn, schleppten zwei von uns ins Nachbarhaus und stopften sie dort mit orientalischen Köstlichkeiten voll. Kurze Zeit später saßen wir alle bei den Nachbarn. Sie baten uns bei ihnen zu essen und zu nächtigen, aber wir hatten ja schon eine Unterkunft. Wir sangen ein Lied, tranken unseren Tee aus und flüchteten, von soviel Gastfreundschfat bedrängt, mit der Begründung, dass unser Essen fertig sei.

Am nächsten Tag dann saßen wir in Aleppo, einer der kulturellen Anziehungspunkte Syriens. Dort ließen wir uns erst einmal nieder und tauchten ins syrische Leben ein. Die Suqs bereiteten uns große Freude. Stundenlang verloren wir uns im bunten Labyrinth, das voll neuer Eindrücke war. Jede Ecke barg etwas Neues zu sehen, zu hören und zu riechen. Da wir nicht nur wegen unserer Fahrtenhemden anders aussahen, hatten auch die Syrer was zu gucken. Die Händler versuchten uns in allen möglichen Sprachfetzen ihre Ware zu verkaufen. Auch wenn unsere Umwelt genauso interessiert war wie wir an ihr, Fotos waren ungern gesehen. Man musste schnell und unauffällig die Situationen mit der Kamera festhalten oder die Bilder nur im Kopfe machen. Auch außerhalb des Suqs war die Stadt interessant. Da gab es hunderte von Teestuben, in denen fleißig Wasserpfeife geraucht wurde, lauter kleine Läden und natürlich die große Zitadelle im Zentrum. Sie war die erste von vielen historischen Ruinen, die wir noch sehen würden.
Wenn man einkaufen wollte, musste man ins richtige Stadtteil gehen. Für jede Ware schien es ein Stadtteil zu geben. Wollte man zum Beispiel eine neue Radkappe kaufen, so gab es dafür mindestens eine Straßenzeile mit Läden, die nur Radkappen und derlei verkauften. Nebenan war dann vielleicht die Straße für Computerteile.
Auch der Verkehr war sehenswert. Man sollte es aber wenn möglich beim Sehen lassen, denn selber in so einer Ameisenstraße zu fahren, kann sehr stressig sein. Meistens passiert nichts, aber der Versuch dem Strom zu folgen, der sich Ampeln ignorierend durch das Straßengewirr fädelt, kann ziemlich aufregend werden. Die Straßen haben immer so viele Spuren wie Autos nebeneinander passen, wobei jeder Zentimeter genutzt wird.

Nach Aleppo war uns nach wandern außerhalb jeglicher Stadt zu Mute. Wir fuhren zum nächsten Ort, stellten unsere Autos ab, die von einem freundlichen Syrer in Empfang genommen wurden. Er verstand zwar nicht, warum wir zu Fuß weiter wollten, versprach aber auf unsere Autos aufzupassen. Nach einem letzten Tee marschierten wir los. Gute Landkarten gibt es in Syrien nicht. Von Wanderwegen ganz zu schweigen. Unser erstes Ziel war der Berg Shek Brakat in der Nähe. Auf dem Weg aus dem kleinen Ort mussten wir mehrere Tee-Einladunen ausschlagen, bis wir endlich den Fuß des Berges erreicht hatten. Je höher wir kamen, desto weniger Wege gab es. Da es in Syrien hauptsächlich Büsche und Steine gibt, war es jedoch nicht so schwer einfach querfeldein in Richtung Gipfel des Hügels zu klettern. Oben angekommen wunderten wir uns über die olivfarbigen Lkw. Dann kamen wir an eine Baracke und als ein Mensch in halber Militäruniform mit einer Kalashnikov auf uns zu trat, wurden unsere Befürchtungen wahr. Man hätte den Berg auch “Schreck Baracke” nennen können. Wir waren von hinten in eine Militärbasis gelangt und weder wir noch die Soldaten hatten es früh genug bemerkt. Schnell wurden wir heraus auf die andere Seite gescheucht, wo ein Weg zurück ins Tal führte. Ein ernster Mann in Jeansanzug, der syrischen Armee fehlt es offensichtlich an Uniformen, hielt uns fest und schrieb sich noch unsere Personalien auf. Unser Flyer, den wir auf arabisch übersetzen hatten lassen, beruhigte die Soldaten – wir waren also keine Aktivistengruppe oder ähnliches. Misstrauisch blieben sie trotzdem und malten all unsere Namen aus den Ausweisen ab. Das lateinische Alphabet beherrschen nur wenige Syrer, deswegen ist es für alle schwer unsere Namen zu schreiben.
Es war kalt hier oben und wir freuten uns, als wir endlich weiter durften. Am Abend fanden wir eine nette Familie, in deren Olivenhain wir schlafen konnten. Ähnlich ging es die nächsten Tage weiter. Tagsüber liefen oder trampten wir durch Nordsyrien, lernten stets freundliche Menschen kennen und schliefen nachts in unseren Zelten oder bei spontanen Gastgebern. Zwischendurch wurde die syrische Geheimpolizei manchmal misstrauisch, doch unser Flyer erklärte alles. Vorsichtshalber rollten wir unseren Wimpel aber wieder ein.

Historische Ruinenstätte

Wir sahen viele Ruinen aus allerlei Jahrhunderten und von allerlei Völkern. Das war schon beindruckend, zwischen so alten Gemäuern hin und her zu stapfen und sich dabei vorzustellen wie es dort früher einmal ausgesehen haben mag.

Wenn ich mich so umsah, wurde ich das Glücksgefühl nicht los, das mir immer wieder sagte, wie gut meine Entscheidung war, meine Weltfahrt so zu beenden. Auch die Augen meiner Freunde bestätigten mir das. Die Überraschung war schon groß gewesen, als ich völlig unerwartet, noch in Kolumbien geglaubt, ins letzte Vorbereitungstreffen platzte und mich als den siebten Syrienfahrer präsentierte.

Während wir so durch den kurdischen Teil Syriens wanderten, wurde es immer wärmer. Der Frühling war gekommen! Auch wenn es abends noch überraschend kalt wurde, wärmte die Sonne tagsüber die Seelen meiner noch vom Winter gebeutelten Freunde. Da ich ja tropisches Wetter gewohnt war, war es mir natürlich noch zu kalt, aber ich freute mich doch immer wieder über jeden Sonnenstrahl, wenn ich an die eisige Kälte, die mich in Deutschland begrüßt hatte, zurückdachte.

Sirrus Amphitheater

Unsere kleine Fußreise endete in Sirrus mitten in einem alten Amphitheater. Von dort trampten wir in kleinen Gruppen wieder zurück zu den Autos.

Dabei fragten wir uns manchmal, warum wir überhaupt mit dem Auto in Syrien waren. Es ist hier so einfach zu trampen! Selbst zu siebt war es kein Problem. Nach kurzer Zeit an der Straße kommt immer ein Auto, ein kleiner Transporter vorbei und mit der typischen Handbewegung (gespreizter Daumen und Zeigefinger, die man hin und her bewegt) wird gefragt, wohin wir wollen.

Zurück bei den Autos gab es noch einmal Tee und ein Abendessen und am nächsten Morgen suchten wir uns eine kleine Stadt zum Ausruhen und um Bergfest zu feiern. Ja, schon waren drei Wochen um. Auch wenn uns die Abreise schon ewig lange her vorkam, war die Zeit doch viel zu schnell vergangen.
In Ariha fanden wir eine Wohnung, die sich bestens für die kleine Pause eignete. Wir hatten Zeit zu duschen, unsere schon etwas derb riechende Kleidung zu schrubben, Material zu reinigen oder zu reparieren oder einfach auf dem Balkon zu sitzen, Tee zu trinken und in die Ferne zu schauen.
Am letzten Abend gab es ein leckeres Fondue mit frischen Zutaten vom Markt und am nächsten Tag ging es zum Euphrat an den Assad Stausee. Dort verließen wir die Autos wieder einmal und marschierten am Ufer entlang. Rechts von uns gab es nur Wüste und links nur Wasser. Wir liefen dazwischen in einem grünen, fruchtbaren Streifen aus Sträuchern und Olivenbäumen.
Es war schön wieder in der grünen Natur zu sein und das gute Wetter ließ es sogar zu, unter freiem Himmel zu schlafen und die für Syrien ungewöhnlich vielen Bäume brachten uns ein erstes Lager- und Kochfeuer. Nachmittags konnten wir uns im kristallklaren Wasser erfrischen. Ob es auch trinkbar war, wussten wir nicht. Wir ließen unsere Mägen entscheiden, die aber insgesamt noch etwas mitgenommen von der Essensumstellung waren. Nach ein paar Tagen am See hatten wir genug und wollten etwas anderes sehen. Der Rücktramp war dies Mal schwieriger. Wir standen viel zu früh an der Straße. Zu der Uhrzeit sitzt der Syrer noch mit Tee zum Frühstück. Das Leben beginnt nämlich später als bei uns in Deutschland. So fängt zum Beispiel der morgendliche Berufsverkehr erst mittags an und wenn man durch stille Gassen gehen will, muss man das nicht nachts machen, sondern morgens. Unser größtes Problem an der Straße war aber, das sie nur wenig befahren war. So brauchten wir fast den halben Tag für ein paar Kilometer.

Mitfahrgelegenheit

Die Autos standen noch und nach einem leckeren Frühstück mit Wurst und Schwarzbrot, das hatten wir uns extra aufgehoben, ging es nun zurück auf die Straße. Das kleine Heimatgefühl zurück bei den Autos mit deutschem Frühstück ließ keinerlei Heimweh aufkommen, aber erinnerte uns daran, dass es auch zu Hause schöne Dinge gibt. Ich litt glaube ich am wenigsten an unserer Diät, ich hatte es ja nun auch schon fast zwei Jahre ohne deutsche Spezialitäten ausgehalten. Außerdem war das syrische Essen eine willkommene Abwechslung. Man konnte die typischen dünnen Fladen einfach mit allem essen. Ob süß oder herzhaft. Dazu gab es exotische Pasten, leckeres Hammelfleisch, viel Gemüse und Oliven.

Frisch gestärkt machten wir uns auf in Richtung Palmyra. Palmyra ist eine uralte Handelsstadt mitten in der Wüste. Die Ruinen dieser Oase wollten wir auf unserem Weg nach Damascus besichtigen.
Wir waren schon eine Weile auf der Straße, da bekamen wir mit, dass uns ein Jeep folgte. Das Auto kam uns irgendwie bekannt vor. Als wir tanken fuhren, fuhr auch unser Verfolger von der Straße ab und wartete, einen gewissen Abstand haltend, auf uns. Man hatte uns zuvor einmal angehalten und als wir unseren Erklärungsflyer abgeben wollten, zeigten die Männer uns, dass sie schon einen hatten. Unsere Fahrtengruppe hatte sich anscheinend bei der Geheimpolizei herumgesprochen.
Nachdem wir uns dann das zweite Mal verfahren hatten, hielt unser Verfolger beim Drehen neben uns an, fragte: “Palmyra?” Wir nickten und er fuhr vor. Wahrscheinlich war es ihnen zu doof geworden mit uns so viele Schleifen zu drehen. Wir folgten jetzt unserem Verfolger. Wir waren am Rande der Wüste, da kamen wir an einem großen Ruinenkomplex vorbei. Aus ein wenig Interesse, und um der Geheimpolizei zu zeigen, dass wir wirklich harmlose Touristen seien, fuhren wir einmal um die Ruinen herum, fragten nach dem Eintrittspreis, machten von außen Fotos und fuhren zurück auf die Straße nach Palmyra. Danach wurden wir auch endlich alleine gelassen. So ging es eine Weile auf der schmalen Straße durch die steinige Wüste.
Irgendwann fragte mich Kolumbus völlig unvermittelt nach der Temperaturanzeige. Im selben Augenblick bewegte der Zeiger sich langsam in den roten Bereich. Sofort hielten wir an und öffneten die Motorhaube. Der Kühlwasserschlauch baumelte herunter und aus dem Tank tropften die letzten Tropfen Kühlwassers heraus. Hunderte Kilometer von der Zivilisation, unweit von der irakischen Grenze entfernt, mussten wir mitten in der Wüste unser letztes Trinkwasser für das dampfende Auto opfern. Vorsichtig fuhren wir weiter, doch schon nach wenigen Kilometern stieg die Nadel wieder auf über 100°C. Zum Glück waren wir dieses Mal in der Nähe einer kleinen Lehmhütte, die wie zufällig dort hingesetzt, nur auf uns zu warten schien. Zwei Knappen liefen mit einem Kanister los, in der Hoffnung in dieser einsamen Hütte auf Menschen zu treffen. Und tatsächlich, sie war bewohnt. Kurze Zeit später kamen zwei erleichterte Jungs mit einem schweren Kanister Wasser zurück. Wir füllten die wertvolle Flüssigkeit in den Tank und sorgten dafür, dass der Schlauch nicht wieder herausspringen konnte. Zunächst langsam und immer wieder auf die Nadel schielend, ging es weiter. Alles war in bester Ordnung und so bretterte ich nach einer Weile wieder in gewohnter Geschwindigkeit durch die öde Wüste. Dieses Mal in die entgegengesetzte Richtung. Unsere Wasserspender hatten nämlich erzählt, dass wir falsch gefahren wären und zurück müssten, um nach fünfzig Kilometern rechts den Abzweig zu nehmen. Wir waren sehr unsicher. Plötzlich kam uns ein Auto entgegen, was für uns ein überraschendes Ereignis auf dieser einsamen Straße war. Wir bedeutetem dem Auto anzuhalten – ein Autofahrer müsste ja den richtigen Weg kennen. Der Fahrer lehnte sich aus dem Fenster und sprach mich auf Deutsch an. Ich war perplex. Das erste Mal nach mehreren Stunden Wüstenfahrt, dass wir überhaupt auf ein anderes Fahrzeug treffen, und es sind Deutsche! Die beiden Rentner waren mit ihrem Mietwagen auch auf dem Weg nach Palmyra. Auch ihnen wurde von der Polizei diese Straße empfohlen. Also drehten wir um, nahmen den Mietwagen in unsere Mitte und bretterten nun in Dreier Kolonne und mit Hilfe eines Kompasses über die kurvige Wüstenstraße. Der Kompass und unsere Karten halfen uns nur wenig. Die syrische Wüste ist recht hügelig. Daher auch die vielen Kurven. Ob wir richtig waren, wussten wir nicht und bei den wenigen Kreuzungen konnten wir nur intuitiv handeln, denn entweder gab es keine Wegweiser oder sie waren auf arabisch. Es wurde immer kälter und die Aussicht wurde immer besser. So waren wir am Ende ziemlich sicher, dass wir auf einem der höchsten Berge gelandet waren, was bedeutete, dass wir ziemlich falsch waren, aber nicht völlig verloren. Zum Umdrehen war es viel zu spät und langsam wurde es auch dunkel. Wir mussten uns auf einen Umweg einlassen. Nun mit dem Ziel Autobahn. Plötzlich fing es an zu regnen. Regen in der Wüste! Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Vor ein paar Stunden waren wir noch mit fest geschlossenen Fenstern und Lüftung Sandverwehungen im trockenen Sandsturm ausgewichen und nun wurde der Boden um uns herum durch die Nässe immer dunkler gefärbt.

Auf der Autobahn in Syrien

Nach einem spontanem Rechtsabbieger kamen uns irakische Lkw entgegen, was nur bedeuten konnte, dass wir auf dem richtigen Weg zur Autobahn und in die Zivilisation waren. So kam dann bald unser abenteuerlicher Wüstenritt zum Ende und meine Konzentration ebenso. An der Autobahn machten wir einen Fahrerwechsel und kauften uns Bananen und Kekse zur Stärkung, beim ersten Markt, den wir sahen. Von nun an war die Weiterfahrt entspannt und etwas verspätet kamen wir schließlich in Palmyra an, wo wir schnell ein Hotel fanden, auf dessen Dach wir uns kostengünstig niederlassen konnten. Erschöpft rutschten wir in unsere Schlafsäcke und schliefen, der liegende Halbmond über uns hell leuchtend, ein.

Palmyra ist immer noch eine Handelsstadt. Nur hat sich der Handel jetzt eher auf den Tourismus verschoben. An jeder Ecke wird man zum Kauf irgendwelcher Souvenirs aufgefordert. Selbst mitten in den wirklich beeindruckenden Ruinen hatten wir keine Ruhe. Wir wurden von Motorradfahrern aufgespürt und dann wurden uns irgendwelche T-Shirts und Goldketten nahezu ins Gesicht gehalten. Neben uns rauschten immer größere Tourbusse heran, wo Touristen herauspurzelten, um sich vor den römischen Säulen schnell ablichten zu lassen. Das wurde uns ziemlich zu viel und wir flüchteten in den Oasenteil der Stadt, ein grünes Labyrinth aus alten Mauern und Kanälen. Nach einem kleinen Spaziergang trauten wir uns zurück in die Stadt, wo wir es aber nicht lange aushielten. So zogen wir weiter nach Damascus. In Damascus war es nicht besser. Wir verbrauchten einen Tag, um in der Hauptstadt einen geeigneten Schlafplatz zu finden. Eigentlich wollten wir gleich wieder gehen, aber wir gaben der Stadt am nächsten Tag noch eine Chance. Mitten im Straßengewirr und den Lärmwolken gab es doch ein paar schöne, ruhige Ecken. Glücklicherweise war Feiertag und daher im Suq wenig los. So konnten wir entspannt durch die relativ leeren Gassen schlendern, einkaufen und uns einfach umschauen. Diese Suqs gab es schon seit Jahrhunderten und nur wenig hatte sich verändert. Es war, als würde man ins orientalische Mittelalter eintauchen.

Viel Zeit nahmen wir uns für Damascus nicht, denn wir hatten noch etwas besonderes vor. Zum ersten Mal in der Freibeutergeschichte teilten wir uns während der Fahrt auf. Für vier Tage wollte man verschiedener Wege gehen. Die Zweiergruppen fanden sich je nach Reiseziel. Walter und Kolumbus wollten in ein katholisches Kloster und dann an die Küste. Cux und Matze wollten den Süden und das Weinanbaugebiet erkunden. Chrischi, Hauke und ich wagten sogar das Land zu verlassen. Wir nahmen das Risiko auf, Grenzprobleme zu bekommen und trampten in den Libanon. Unsere Fahrtenkasse wurde durch die Visumkosten zwar überlastet, aber wir bereuten es kein Stück. Was uns erwartete war noch einmal ein ganz anderer Eindruck Arabiens. Der Libanon ist klein und vollgestopft mit den verschiedensten Religionen. Dadurch entstehen viele Konflikte, aber auch viele interessante Kulturen. So kam es, dass wir schon am ersten Tag chinesisches Sylvester mit kurdischen Baptisten feierten. Auch am nächsten Tag wurde es interessant. Unsere Gastgeber, zwei junge Missionare der baptistischen Kirche, wollten in Tyrus missionieren und nahmen uns in den Süden mit. Als wir dort am Palmen gesäumten Strand entlang liefen, sprach uns auf einmal ein Libanese auf deutsch an: “Barettträger hätte ich hier jetzt nicht erwartet.” Es war ein junger Nerother, der hier seine Familie besuchte. Einen libanesischen Nerother hätten wir aber auch nicht erwartet. Mit ihm verabredeten wir uns für den Abend in Beirut, wo wir dann einige Stunden mit ihm auf Ruinenmauern sitzend, das Meer vor uns, ein Bierchen tranken und er uns gute Fahrtengebiete im Libanon empfahl.

Am folgenden Tag schauten wir uns eine der ältesten Städte der Welt an. Byblos war trotz des Tourismus klein und verträumt geblieben. Wir setzten uns auf die Felsen am Hafen und aßen ein paar Fladenbrote. Uns durchströmte ein unglaubliches Freiheitsgefühl. Als wir so am türkisfarbenen Meer saßen und etwas sangen, waren wir einfach froh, auf der Welt zu sein.
Es war ein schönes Erlebnis zu spüren, dass man fürs Leben nichts weiteres braucht, als einen schönen Ort und gute Freunde. Wir hatten nur wenig gegessen und schliefen draußen auf einer steinigen Landzunge. Doch das Glück nährte uns, das Meer rings herum beschütze uns und der schwarze, sternenübersäte Himmel deckte uns zu. Hinter uns schliefen Ruinen, deren Mauern die Geschehnisse mehrerer Zeitepochen erzählen könnten.
Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten uns aus dem Schlafsack. Wir hatten uns entschlossen die Daumen unten zu lassen und zu wandern. Also ging es zu Fuß weiter. Rechts das Meer und links die Berge. Der Libanon ist auch landschaftlich anders als Syrien. Es ist viel grüner. Dazu geben das blaue Mittelmeer im Westen und die schneebedeckten Gipfel des Libanongebirges im Osten einen farblichen Kontrast. Es war richtig sommerlich. Schweiß tropfte unter dem Barett die Stirn herunter. Das Halstuch schützte meinen Nacken vor Sonnenbrand. Die Bananenstauden und Mandarinenbäume, die am Küstenstreifen gepflanzt wurden, trugen sogar schon Früchte. Fröhlich wanderten wir an den alten Eisenbahnschienen entlang. Aufgehalten wurden wir nur einmal vom Militär, das wissen wollte, was wir da trieben und von syrischen Arbeitern, die uns zum Tee einluden.
Abends erfrischten wir uns im recht kühlem und unruhigen Meer. Haukes Esbitkocher fand doch noch einen Nutzen und bescherte uns eine Suppe zum Abendessen. Danach schliefen wir auf den sonnengewärmten Felsen der Steilküste wieder einmal unter freiem Himmel.

Unser Reiseführer empfahl uns nicht in den Norden zu reisen. Auf meiner Weltfahrt hatte ich gelernt, dass vieles, was nicht im Reiseführer steht oder nicht empfohlen wird, meist interessanter, oft schöner und nie vom Tourismus verseucht ist. Unsere Zeit lief uns davon und um sie wieder einzuholen, entschlossen wir uns direkt über die nördliche Grenze nach Hama, dem Treffpunkt unserer Gruppe zu trampen. So hatten wir keine Möglichkeit zu sehen, ob es nun interessant im Norden ist. Schön war es landschaftlich auf jeden Fall und das es gefährlich sei, widerlegten wir auch. Viel zu schnell verließen wir den Libanon, aber eines ist sicher. Wir wollen uns noch einmal Zeit nehmen, das Land weiter zu entdecken.

An der Grenze luden uns zwei Lkw-Fahrer zum Mittagessen ein. Direkt neben dem mit 35 Tonnen Beton beladenen Lastzug breitete die Familie, die auch dabei war, eine Decke aus und servierte Getränke, Hühnchen, Fisch, Wurst und Reis. Alles wurde unten an der Seite des Hängers aufbewahrt und zubereitet. Neben dem Kleinen Kühlschrank gab es sogar eine Kochplatte. Gut gesättigt kletterten wir dann in die Fahrerkabinen und freuten uns schon darauf, unsere Kameraden bald wieder zu sehen. In Homs mussten wir umsteigen und erfuhren den Gipfel der syrischen Gastfreundschaft. Unser Brummichauffeur fuhr uns direkt zum Busbahnhof, drückte einem Kleinbusfahrer einen großen Schein in die Hand und verabschiedete sich herzlich von uns. Wir hatten keine Chance ihm das Geld zurückzugeben und so saßen wir auch schon in einem persönlichen Shuttle nach Hama.

Über den Dächern der Stadt

Hama, eine ruhige, kleine Stadt, gefiel uns sehr. Es gab alles, was es in einer Großstadt auch gab, nur in kleiner und mit weniger Stress verbunden. Hier lief alles ein wenig langsamer ab. Der Ort war perfekt, um die letzten Tage in Syrien zu genießen, ein paar Besorgungen zu machen und unseren Abschied aus dem freundlichstem Land, welches ich kenne, zu nehmen. Wieder einmal schliefen wir unter freiem Himmel auf einem Hoteldach. Der Hotelbesitzer lud uns zur Krönung in ein nobles Restaurant ein, wo wir für unsere musikalische Darbietung eine Mahlzeit bekamen. Das Essen war hervorragend. Ob unser Gesang es auch war, darüber lässt sich streiten. Aber er unterhielt die Gäste.

Ehe wir uns versahen waren wir auch schon wieder aus Syrien heraus und durchquerten in Windeseile die Türkei. Dieses Mal entschlossen wir die schlechten Straßen Rumäniens zu vermeiden und uns durch Serbien zu schlagen. Es ist echt schade, dass ich dieses Land bisher nur aus den Nachrichten kenne. Serbien ist sehr schön. Die Leute sind zwar zurückhaltend, aber freundlich. In Serbien gibt es sehr viele Pfadfinder. So schliefen wir in der ersten Nacht in einem geräumigen Pfadfinderheim und machten uns ein deftiges Abendessen. Endlich wieder richtiges Brot und Wurst und Bier. Das man diese drei einfachen Dinge so vermissen kann…
Danach ging es zur Hauptstadt, wo uns zuvor ein junger Gastgeber vermittelt wurde. Der passionierte Pfadfinder war auch ein passionierter Stadtführer. Ohne uns auch nur einmal zu Wort kommen zu lassen, führte er uns fröhlich sabbelnd durch Belgrad. Am Ende war nur noch Cux fähig ihm weiter Gehör zu schenken.
Wir interessierten uns wesentlich mehr für die leicht bekleideten Mädchen, die die erste Frühlingswärme genossen.
Dann mussten wir auch schon weiter. Schon nach zwei Tagen entdeckten wir Serbien als gutes Fahrtengebiet. Serbien ist gut erreichbar, hat eine abwechslungsreiche Natur und die Serben sind trotz historischer Unruhen ein nettes Völkchen geblieben. Aber wir trauten unseren Autos alles zu, deswegen planten wir einen kleinen Zeitpuffer ein, um Deutschland rechtzeitig zu erreichen.
Den letzten Abend außerhalb Deutschlands verbrachten wir auf der Burg der Streitwieser in Österreich. Ein letztes Mal Ruinen.
Dann ging es über Tschechien zum Tharandter Nest. Wir, insbesondere die beiden Autos, hatten es tatsächlich geschafft! Unsere Autos hatten über 10.000 Kilometer in nur sechs Wochen gut durchgehalten. Jetzt hatten wir sogar noch ein paar Tage Zeit. Wir wollten sie nutzen, um noch einmal mit Kothe auf Fahrt zu gehen. Ob die Idee so gut war, weiß ich nicht. Gerade noch im Nahen Osten gewesen, wanderten wir auf einmal durch einen herbstlich aussehenden Wald und lauter Osterausflüglern über den Weg. Die plötzliche Frische der Luft zeigte uns, dass der Frühling hier noch nicht angekommen war. Durch das Laub wandernd hielten wir uns warm und bestimmt fiel jeder einmal zurück, um ein paar Minuten alleine zu sein und auch gedanklich die Syrienfahrt zu beenden.
Abends schliefen wir schnell ein. Erschöpft, nicht von den körperlichen Anstrengungen, sondern von den vielen verschiedenen Eindrücken, die jeden Tag neu auf uns einfielen.
Am nächsten Tag stand für uns fest: Es hatte keinen Sinn neben Ostertouristen auf festen deutschen Wanderwegen herumzulaufen. Beim Frühstück liefen uns so große Wandergruppen am Tisch vorbei, dass wir die Chance nutzten und mit ein paar Liedchen die Fahrtenkasse ein wenig entlasteten.
Wir machten noch ein paar Kilometer, damit wir uns den geplanten Saunaabend auch verdienten, doch dann verließ uns die Lust. Eine Sauna ist zwar kein Hammam, aber ähnlich und genauso entspannend. So kam es, dass wir früher wieder in Tharandt waren, eher als es die Spießgesellen erwarteten.
Der letzte freie Tag wurde dann dazu genutzt das Material zu säubern und letzte Fahrtenbucheinträge zu beenden. Cux und Malte sperrten sich in der Küche ein. Früh am Abend kamen sie dann mit immer neuen Köstlichkeiten aus ihrem Bunker heraus.
Mit vielen Liedern ging dann unsere letzte Nacht zu Ende. Am nächsten Tag war die Etappe nach Norddeutschland schnell bewältigt und etwas überfordert von dem deutschen Trubel, gedanklich noch völlig woanders, ließen wir uns von Familie und Freunden empfangen.

Jetzt habe auch ich Zeit in Deutschland anzukommen.


Veröffentlicht in 2010 Syrien, Fahrtenchronik

Wandervogel-Vortrag in Düsseldorf am 10. April

Geschrieben von Bundeskanzlei am 01.04.2010

Fernweh und Abenteuer

Unter diesem Motto veranstaltet der Orden der Goten im Wandervogel – Bund für Jugendfahrten e.V. am 10. April in Düsseldorf einen Vortragsabend. Neben einem Bild- und Filmvortrag, der von den weltweiten und abenteuerlichen Fahrten der Jungengruppen berichten wird, tragen die Wandervögel zum Teil selbstgeschriebene Lieder vor, die von den Fahrtenerlebnissen erzählen. Es werden aber auch bekannte Volkslieder gesungen.
Interessierte Gäste sind herzlich zu dem offenen Vortragsabend eingeladen.

Voranmeldung und weitere Informationen per E-Mail unter ordensfuehrer@orden-der-goten.de

Wann: 10. April 2010, Beginn um 18:30
Wo: Bürgersaal Bilker Arcaden, Bachstraße 145, 40217 Düsseldorf

Der Eintritt ist frei.

Plakat in Düsseldorf


Veröffentlicht in Bundesmitteilungen

Morgenlandfahrer: Vorbereitung

Geschrieben von Cux am 24.01.2010

„In 20 Jahren werden Sie eher von den Dingen enttäuscht sein,
die Sie nicht getan haben, als von denen, die Sie getan haben.
Lichten Sie also die Anker und verlassen Sie den sicheren Hafen.
Lassen Sie den Passatwind in die Segel schießen.

Erkunden Sie.
Träumen Sie.
Entdecken Sie.”

Mark Twain (1835 – 1910)

Winterliche Syrien-Vorbereitungsfahrt in der Elbtalaue

Die letzten Vorbereitungen werden getroffen:
Zwei Autos werden für eine Reise von rund 10.000 km fertig gemacht. Sie sollen sechs Wandervögel aus Lüneburg unter Führung des alten Ordensritters Cux in den „Nahen“ Osten bringen. Über den winterlichen Balkan nach Istanbul und von dort weiter durch die Türkei bis nach Syrien in die Kulturmetropole Damaskus soll die Reise gehen. Dementsprechend wird Ausrüstung und Route für dieses abenteuerliche Unterfangen nun schon seit über einem halben Jahr geplant und gemeinsam in der Gruppe entwickelt. Dabei ist allen klar, dass jeder Einzelne für das Gelingen der Fahrt eine wichtige Rolle spielt. Von A wie Autoersatzteile bis Z wie Zelte muss an alles gedacht sein. Neben der langen Anreise über Land sind Wanderungen durch den Westen des Landes und an die östliche Küste des Mittelmeers, Städtereisen sowie musikalische Auftritte und Vorträge geplant. Für dieses Abenteuer nimmt sich die Gruppe knapp zwei Monate Zeit. Es lockt Syrien mit seinen Moscheen, den Weiten der Wüste und einer Jahrtausende alten Kultur.

Auf unserer Bundeshomepage wird in Text- und Bildauszügen von den Herausforderungen und Erlebnissen auf dem Weg nach Syrien und im Fahrtenland selbst berichtet werden. Der Fahrtenbericht folgt dann Ende April nach der Heimkehr der Gruppe.

Fahrtenmannschaft

Veröffentlicht in 2010 Syrien, Fahrtenchronik

Bild- und Filmvortrag in Freiburg am 27. Dezember

Geschrieben von Bundeskanzlei am 17.12.2009

Plakat in FreiburgDie Wandervögel kommen

Unter diesem Motto veranstaltet der Wandervogel – Bund für Jugendfahrten- am 27. Dezember 2009 in Freiburg im Breisgau einen Vortragsabend. Neben einem Bild- und Filmvortrag, der von den weltweiten und abenteuerlichen Fahrten der Jungengruppen berichten wird, tragen die Wandervögel zum Teil selbstgeschriebene Lieder vor, die von den Fahrtenerlebnissen erzählen. Es werden aber auch bekannte Volkslieder gesungen.
Interessierte Gäste sind herzlich zu dem offenen Vortragsabend eingeladen.
Voranmeldung und weitere Informationen per E-Mail unter bundesleitung@wandervogel-bfj.de.

Wann: 27. Dezember 2009, Beginn um 19.00 Uhr
Wo: Bürgerhaus Zähringen, Lameystr. 2, Freiburg


Veröffentlicht in Bundesmitteilungen

Bundeskalender 2010

Geschrieben von Bundeskanzlei am 01.12.2009

Bundeskalender 2010Der Wandervogel Fotokalender 2010 kann ab sofort bestellt werden.

Der 4. Fotokalender unseres Bundes wurde für das Jahr 2010 von den süddeutschen Gruppen der Piraten und Zähringer gestaltet.
Neben den großformatigen Farbfotos auf den Monatsvorderseiten beinhaltet der Kalender wieder auf den Fahrten entstandene Gedichte, unbekannte Lieder und natürlich die Fahrtenerzählungen aus den Jungengruppen.

Der Bundeskalender 2010 kann direkt per E-Mail an bundeskalender2010@wandervogel-bfj.de für den Betrag von 10 Euro zzgl. Portokosten bestellt werden. Wir bitten um Vorkasse.

Unsere Kontodaten:

Wandervogel – Bund für Jugendfahrten e.V. -
VR-Bank Rhein-Erft e.G.
Konto 503010
Blz. 371 612 89


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